Auf der anderen Seite des Wegs

Der Tod ist nichts.

Das, was wir für euch waren, sind wir immer noch.

Gebt uns die Namen, die ihr uns immer gegeben habt.

Sprecht mit uns, wie ihr es immer getan habt. Gebraucht nicht eine andere Redensweise,

seid nicht feierlich oder traurig.

Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.

Betet, lacht, denkt an uns, damit unsere Namen im Hause ausgesprochen werden,

so wie es immer war

ohne irgend eine besondere Betonung, ohne die Spur eines Schattens.

Das Leben bedeutet das, was es immer war.

Der Faden ist nicht durchschnitten.

Warum sollen wir nicht mehr in eueren Gedanken sein,

nur weil wir nicht mehr in eurem Blickfeld sind ?

Wir sind nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Wegs.

 

 

Zeit für Tränen

Wenn Trauer den Körper befällt, und die Zeit die Linderung versagt.

Wenn Fäuste gegen Wände schlagen und man vom Dunkel betört.

Wenn aus Liebe Angst wird und Schmerz in Wut umschlägt

Wenn man mit Gewalt versucht zu halten, was schon längst zerstört.

Wenn Kummer von Hass verdrängt wird, die Seele dunkel von der Last die es trägt.

Wenn niemand da der die Zeichen der Trauer versteht und hört.

Dann ist es Zeit - Zeit für Tränen!

 

 

Segen der Trauernden

Gesegnet seien alle, die mir jetzt nicht ausweichen.

Dankbar bin ich für jeden, der mir einmal zulächelt und mir seine Hand reicht,

wenn ich mich verlassen fühle.

Gesegnet seien die, die mich immer noch besuchen,

obwohl sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen.

Gesegnet seien alle, die mir erlauben von dem Verstorbenen zu sprechen.

Ich möchte meine Erinnerungen nicht totschweigen.

Ich suche Menschen, denen ich mitteilen kann, was mich bewegt.

Gesegnet seien alle, die mir zuhören, auch wenn das,

was ich zu sagen habe, sehr schwer zu ertragen ist.

Gesegnet seien alle, die mich nicht ändern wollen,

sondern geduldig so annehmen, wie ich jetzt bin.

Gesegnet seien alle, die mich trösten und mir zusichern,

daß Gott mich nicht verlassen hat.

(Marie-Luise Wölfling im Dezember 1986)

 

 

Abschied

Voll Bitterkeit ist erfuellt mein Herz

auch zu dieser Stunde.

Probiere ich auch klar zu denken,

wird mein Geist nicht klarer.

In meiner Seele ein Loch,

das nicht gefuellt werden kann.

Ein Teil herausgerissen.

Ein Teil meines Lebens für immer verschwunden.

Mein ganzes Leben warst du da.

Standest bei mir an meinen schwersten Stunden.

Ich glaubte, daß du ewig bei mir bleibst,

bis ans Ende der Zeit.

Doch nun bist du fort.

Hinausgerissen aus meinem Leben.

Bist mit jemand anderem Mitgegangen.

Jemanden den ich nicht aufhalten kann.

Ich sehe jeden Abend auf dein Foto mit dem Wissen,

daß du nicht wiederkommst.

So erinnere ich mich an die Zeit, die wir verbracht haben.

Wir haben gelacht, geweint, gespielt und Spaß gehabt.

Es war nicht immer leicht mit dir.

Jetzt ist die Zeit vorbei, verwelkt wie ein Blatt im Herbst.

Die Zeit gegangen ohne Wiederkehr.

So stehe ich nun hier um dir Lebwohl zu sagen.

An einem Ort der Trauer, zu wissen,

daß hier ein Teil meiner Selbst liegt.

 

 

Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man durch den Tod nicht verlieren!

 

 

Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung.

Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.

Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel,

sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

 

 

Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.

Du wirst immer mein Freund sein.

Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen.

Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, gerade so, zum Vergnügen...

Und deine Freunde werden sehr erstaunt sein,

wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst.

(Antoine de Saint-Exupéry)

 

 

Wenn ihr mich sucht, sucht mich in Euren Herzen.

Wenn Ihr mich dort findet, werde ich in Euch weiterleben.

 

 

"... Es wird dir Schmerz bereiten.

Es wird aussehen, als wäre ich tot, und das wird nicht wahr sein..."

" Du verstehst. Es ist zu weit. Ich kann diesen Leib da nicht mitnehmen.

Er ist zu schwer."

" Aber er wird daliegen, wie eine alte verlassene Hülle.

Man soll nicht traurig sein um solche alten Hüllen..."

 

 

Für einen Augenblick bleibt die Erde stehen

und ein zarter Sonnenstrahl tastete sich sachte durch die Wolkendecke,

er war klein und leuchtete sehr hell in das Leben derer, die ihn trafen.

Wir ahnten nicht, dass er keine Chance bekommen würde, noch heller zu werden.

Kleiner Sonnenstrahl, wir können es nicht begreifen, dass du nicht mehr bei uns bist

und vermutlich werden wir es nie verstehen.

Wir haben soviele Fragen, auf die es keine Antworten gibt.Eines möchten wir dir sagen:

Danke, dass du bei uns warst.

Es war ein wunderschöner Augenblick und dein Licht wird immer weiterleuchten.

 

 

Denk Dir ein Bild. Weites Meer.

Ein Segelschiff setzt seine weissen Segel

und gleitet hinaus in die offene See.

Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.

Wo Wasser und Himmel sich treffen,

verschwindet es.

Da sagt jemand: nun ist es gegangen.

Ein anderer sagt: es kommt.

Der Tod ist ein Horizont, und ein Horizont

ist nichts anderes als die Grenze unseres Sehens.

Wenn wir um einen Menschen trauern,

freuen sich andere,

ihn hinter der Grenze wieder zu sehen

 

 

Von dem Menschen, den du geliebt hast,

wird immer etwas in deinem Herzen zurückbleiben,

etwas von seinen Träumen,

etwas von seinen Hoffnungen,

etwas von seinem Leben,

alles von seiner Liebe.

 

 

Ganz still und leise,

ohne ein Wort,

gingst du von deinen Lieben fort.

Du hast ein gutes Herz besessen,

nun ruht es still,

doch unvergessen.

Es ist so schwer es zu verstehen,

dass wir dich niemals wiedersehen.

 

 

Wenn ich einmal von dir gehen sollte,

geh zurück ins Leben und lach für mich weiter.

 

 

Allein


Allein - mit der Trauer und den Tränen,

die nie zu versiegen scheinen.

Allein - mit der Liebe für den Menschen,

der nie richtig leben durfte.

Allein - mit der Angst verlassen zu werden,

von den Menschen die ich liebe.

Allein - kämpfend,

um die Erinnerungen wachzuhalten.

Allein - hoffend,

auf Verständnis der Menschen, die mit mir leben.

Allein - mit der ohnmächtigen Wut auf das Schicksal.

Allein - betend,

daß sich das Blatt noch einmal wendet.

Allein - mit den Vorwürfen und dem Zweifeln am Selbst.

Allein - umgeben von Menschen,

und doch allein.

Allein - mit der endlosen Leere in mir.

Allein - wartend auf eine Aufgabe, eine neue Herausforderung,

die das Leben lebenswert macht.

Allein - trotz der Liebe und angebotenen Hilfe der Menschen,

die mich lieben.

Allein - in dem tiefen schwarzen Nichts,

dass mich umgibt.

Allein - abwartend, dass der unsägliche Schmerz nachlässt,

und den schönen Erinnerungen Platz macht.

Allein - begleitet von liebenden Menschen,

trotzdem allein im Leid.

Niemand kann helfen, nur lindern und versuchen zu verstehen.

Aber unser Schicksal und Leben müssen wir selbst meistern - und zwar allein.

 

 

3 Minuten zum Nachdenken


Warum Mami?

Ich ging zu einer Party, Mami, und ich dachte an deine Worte.
Du hattest mich gebeten, nicht zu trinken. Und so trank ich keinen Alkohol.

Ich fühlte mich ganz stolz, Mami, genauso, wie du es vorhergesagt hattest.
Ich habe vor dem Fahren nichts getrunken, Mami, auch wenn die anderen sich mokierten.

Ich weiß, dass es richtig war, Mami, und das du immer Recht hast. Die Party geht
langsam zu Ende, Mami, und alle fahren weg.

Als ich in mein Auto stieg, Mami, wusste ich, dass ich bald nach Hause kommen würde:
Aufgrund deiner Erziehung- so verantwortungsvoll und fein.

Ich fuhr langsam an, Mami, und bog in die Strasse ein. Aber der Fahrer sah mich nicht und
sein Wagen traf mich mit voller Wucht.

Als ich auf dem Bürgersteig lag, Mami, hörte ich den Polizisten sagen, der andere sei
betrunken. Und nun bin ich diejenige die dafür büßen muss.

Ich liege hier im Sterben, Mami, ach bitte, komm doch schnell. Wie konnte mir das nur
passieren? Mein Leben zerplatzt wie ein Luftballon.

Ringsherum ist alles voller Blut, Mami, dass meiste ist von mir. Ich höre den Arzt sagen,
Mami, dass es keine Hilfe für mich gibt.

Ich wollte dir nur sagen, Mami, ich schwöre es , ich habe wirklich nichts getrunken,
es waren die anderen, Mami, die haben einfach nicht nachgedacht.

Er war wahrscheinlich auf der gleichen Party wie ich, Mami. Der einzige Unterschied ist nur:
Er hat getrunken und ich werde sterben.

Warum trinken die Menschen, Mami?
Es kann das ganze Leben ruinieren. Ich habe jetzt starke Schmerzen, wie Messerstiche, so stark.
Der Mann, der mich angefahren hat, Mami, läuft herum, und ich liege hier im Sterben.
Er guckt nur dumm.
Sag meinem Bruder, dass er nicht weinen soll, Mami. Und Papi soll tapfer sein.
Und wenn ich dann im Himmel bin, Mami, schreibt: „ Papis Mädchen" auf meinen Grabstein.

Jemand hätte es ihm sagen sollen, Mami, nicht trinken und dann fahren.
Wenn man es ihm gesagt hätte, Mami, würde ich noch leben.

Mein Atem wird kürzer, Mami, ich habe große Angst. Bitte, weine nicht um mich, Mami.
Du warst immer da, wenn ich dich brauchte.

Ich habe nur noch eine letzte Frage, Mami, bevor ich von hier fortgehe:
Ich habe nicht vor dem fahren getrunken, warum bin ich diejenige, die sterben muss ???????????

 

 

dieses Gedicht ist von Lene für ihren Bruder:

Für Andi,

du liegst da, schöner Bruder du

eiskalt deine Hand und bleich dein Gesicht

dein Lachen ziert nicht mehr mein Leben.

Du liegst da, schöner Bruder du

geschlossen deine wunderbaren Augen

nur stumme Erinnerung, was mir bleibt.

Du liegst da, schöner Bruder du

doch such ich hier vergebens

im Himmel find ich dein lachend Gesicht,

dort oben strahlt es am schönsten!